Angst – wie wir einen Gewinn daraus ziehen

Angst soll positiv sein?

Früher habe ich auch geglaubt,  dass es besser ist, keine Angst zu haben und das Angst ein unnötiges Gefühl ist. Heute, einige Jahrzehnte später und ein kleines bisschen weiser, weiß ich, dass gerade starke und leider häufig in unserem Kopf mit negativen Gedanken besetzte Gefühle Energie liefern.

Angst und andere oft negativ besetzte Gefühle helfen uns durch schwierige Zeiten hindurch, zeigen uns was uns wichtig ist und wo wir uns Grenzen setzen.

Nehmen wir als Beispiel mal Angst und ihre positiven Eigenschaften.

Eine Lebenssituation in meinem Leben, wo ich sehr stark die Angst gespürt habe, liegt erst ein paar Wochen zurück. Eine nach außen sehr banale Situation hat mich völlig umgehauen. Nach Jahren stand ich das erste Mal wieder auf einem Snowboard und zum ersten Mal in meinem Leben mit eben diesen auf echtem Schnee. Theoretisch wusste ich, dass ich als Kind bei einem Lehrer fahren gelernt habe. Doch damals war ich ein Kind und hatte weniger Angst als heute. Mein Verstand hat damals weniger Probleme und Gefahren gesehen als heute, wie ich wahrnehme.
Zurück aufs Board, ich stand also ziemlich alleine auf einem gefühlt riesigen Berg, mit einem Snowboard an meinen Füßen und zittrigen Beinen.

Mein Herz pochte sehr stark und ein Teil von mir fragte sich, was ich hier überhaupt mache? Wieso ich nicht im warmen geblieben bin oder auf der weniger gefährlichen Rodelpiste?

Mir war nach heulen und gleich aufgeben, denn mit dem Gefühl wollte ich mich erst nicht in Verbindung setzen. Ich wollte ausweichen und einfach aufgeben. „Kann ich halt nicht Snowboarden“,  dachte ich mir. Aber, was wäre ich für ein Coach, wenn ich meine eigenen Tipps nicht umsetzen würde? Also war schnell klar ausweichen und aufgeben ist keine Option.

Ich setzte mich auf mein Snowboard und ließ die Angst zu. Ich umarte sie und dankte ihr, denn sie machte mich demütig, zeigte mir, dass ich an einer Grenzen angekommen bin und jetzt vertrauen darf auf meine Fähigkeiten als Kind.

Vielleicht hört sich das jetzt sehr einfach an, aber der ganze Prozess hat schon einige Zeit gedauert und ich musste ein paar mal den Berg runterfahren bevor die Angst so klein wurde, dass ich einen größeren Berg fahren konnte.
Was wäre wohl passiert, wenn ich keine Angst gefühlt hätte? Wenn ich nicht runter gefahren wäre? Ich weiß es nicht, aber ich weiß,  dass es ein schönes Wochenende wurde wo ich sehr demütig anerkannte manche Dinge sind mir nicht geheuer und ich habe lieber den direkten Bodenkontakt.

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